desire lines
Form und Empfindung
2026
Die Beziehung von Maschine und Gefühl liegt nicht auf der Hand. Ein Industrieroboter entspringt rationaler Ingeniersarbeit zum Zweck der effizienten Produktion. Und doch liegt in der Maschine eine Quelle der Sinnlichkeit, auf die „desire lines‟ abstellt.
In „desire lines‟ steht der Roboter als Manipulator im Zentrum eines minimalistischen kubischen Raums. Von einem quadratischen Rahmen in seiner Hand laufen 100 Seile schräg nach oben. Über Umlenkrollen, die regelmäßig entlang der oberen Kanten des Kubus angeordnet sind, werden die Seile an den Außenseiten nach unten geführt und dort durch Gewichte gespannt. So bilden die Seile außen einen transparenten Vorhang und innen eine kegelförmig auf den Roboter zulaufende Form. Der Roboterarm ändert durch seine langsame Bewegung die räumliche Konfiguration der Seile, und manipuliert so fortlaufend den Raum. Das innere Geschehen der Seile spiegelt sich in anderer Weise außen in den Positionen der Gewichte wieder.
Das Ergebnis ist ein komplexes, nicht-greifbares Geschehen aus Geometrie, Balance und sich ständig verändernder Form, geprägt durch die sinnliche Ästhetik der fließenden räumlichen Veränderung. Das träumerische Bewegungsgeschehen fängt die Wahrnehmung der Betrachtenden ein und verführt dazu, sich treiben zu lassen.
Doch der Werktitel „desire lines‟ (Sehnsuchtslinien, Wunschpfade) bietet auch Erdung. Ursprünglich stammt der Begriff aus der Stadt- und Verkehrsplanung und wird mittlerweile auch in der Software-Entwicklung genutzt. desire lines bezeichnet jene informellen Wege, die entstehen, wenn Menschen vorgegebene Pfade verlassen und eigene Routen durch eine Landschaft wählen.
Beratung Konzept und Gestaltung: Anett Holzheid